Tinnitus und Stress – Die Tinnitus-Ursache „Stress“

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Tinnitus und Stress – in diesem Artikel möchte ich dir die Zusammenhänge von Stress und der Intensität deiner Ohrgeräusche näher erklären.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass massiver Tinnitus nur in einem angespannten, engen Körper existieren kann. Ohrgeräusche können ihre volle Wirkung also dann entfalten, wenn u.a. deine Blutgefäße im Kopfbereich verengt und deine Muskeln im Hals- Kiefer- und Nackenbereich verspannt sind.

Dieser Körperzustand wird ausgelöst, weil dein Organismus mit Stresshormonen geflutet wird. Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sorgen dafür, dass sich deine Blutgefäße verengen und deine Muskeln zusammenziehen. Und diese „Zwischensymptome“ sorgen dafür, dass dein Tinnitus intensiver wird.

Tinnitus durch Stress – der Zusammenhang von Ohrgeräuschen und Stress

Den Stresszustand im Körper nenne ich auch den „Alarmzustand“. Je stärker die Stressausschüttung, desto mehr geht dein Körper in diesen Alarmzustand. Im Übrigen wird im Alarmzustand auch deine Hörverarbeitung sensibilisiert. Das hat evolutionäre Gründe, auf die ich eventuell in einem gesonderten Beitrag näher eingehen werde (falls euch diese Thematik interessiert, schreibt es mir gerne in die Kommentare). Vereinfacht gesagt, glaubt dein System – durch die massive Stressausschüttung – du seist in großer Gefahr und sensibilisiert alle Sinnesorgane, damit du mögliche Gefahren frühzeitig erkennen kannst. Dieser Prozess war vor vielen tausend Jahren lebensnotwendig, um beispielsweise einen Säbelzahntiger frühzeitig wahrnehmen zu können, um dann die Flucht zu ergreifen. Diese Sensibilisierung deiner Hörverarbeitung führt allerdings auch dazu, dass du deine Ohrgeräusche intensiver wahrnimmst.

Dass dein Körper im Alarmzustand gefangen ist, kannst du feststellen, indem du die Funktionsweise deines Vegetativen Nervensystems messen lässt. Das Vegetative Nervensystem (kurz VNS) wird durch Hormone gesteuert. Stresshormone beeinflussen den sympathischen Teil des VNS und Glückshormone den parasympathischen Teil des VNS.

Je stärke dein Körper im Alarmzustand gefangen ist, desto stärker ist der Sympathikus aktiviert. Als mir der Zusammenhang zwischen Tinnitus und Stress immer mehr bewusst wurde, ließ ich mein Vegetatives Nervensystem professionell messen.

Tinnitus und Stress - Vegetatives Nervensystem; Warum Tinnitus immer etwas mit Stress zu tun hat

Hier kannst du meine Messergebnisse sehen. Der rote Balken bildet die Aktivität des Sympathikus und der blaue Balken die des Parasympathikus im Ruhezustand ab. Im Ruhezustand müsste – bei einer gesunden Funktionsweise des VNS – der blaue Balken dominieren. Jedoch war mein Körper im Alarmzustand gefangen, sodass der rote Balken, also der Sympathikus, extrem dominierte.

Bist du wirklich nicht gestresst?

Wenn ich dieses Wissen an Tinnitus-Betroffene weitergebe, beispielsweise im Rahmen meiner Tinnitus-Telefongespräche, bekomme ich häufig die Aussage zu hören: „Ich fühle mich gar nicht so gestresst und habe trotzdem massive Ohrgeräusche.“

Ich selbst habe tatsächlich auch lange geglaubt, dass ich nicht gestresst sei. Aber was bedeutet eigentlich Stress? Stress bedeutet für viele einzig und allein das Gefühl des Getrieben- oder Gehetztseins. Doch nicht nur diese Gefühle bedeutet Stress für deinen Körper. Jedes „negative“ Gefühl, dass du in dir fühlst, bedeutet Stress für deinen Körper. Ärger, Wut, Trauer, Angst, Nervosität – all diese Gefühle bestehen aus einem „Stresshormon-Cocktail“.

Ich lade dich dazu ein, dir einmal folgende Fragen zu stellen und sie aufrichtig und ehrlich für dich selbst zu beantworten:

Frage 1: Wie fühle ich mich die meiste Zeit des Tages? (Auf einer Skala von 1 – 10, wenn 1 sehr schlecht und 10 sehr gut bedeutet)

Frage 2: Wie habe ich mich, auf einer Skala von 1 – 10, in den letzten 3 Jahren meines Lebens überwiegend gefühlt?

Frage 3: Mit welchen Worten würde ich meine aktuelle, emotionale Verfassung beschreiben?

Als ich mir diese Fragen stellte, musste ich mir eingestehen, dass ich mich immer wieder selbst belogen habe. Ich sagte zwar immer, dass es mir gut geht, doch in Wirklichkeit ging es mir emotional gar nicht gut. Ich redete mir selbst immer wieder ein, dass ich doch gar keinen Stress in meinem Leben habe – und diesem Gedanken glaubte ich, weil ich ihn immer und immer wieder dachte.

Wenn ich ehrlich bin, fühlte ich mich die meiste Zeit innerlich leer und war ausgelaugt. Und wenn es mir mal gut ging, ging es mir eigentlich immer nur weniger schlecht. Viele Menschen wissen gar nicht so wirklich, wie sich Freude und Lebendigkeit anfühlen.

Ich möchte dir gerne ein Beispiel geben. Du hast dich in deinem Leben mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal extrem schlecht gefühlt. Vielleicht nach einer Trennung, oder nach einer überraschenden Kündigung. Wir alle wissen, wie sich starke, negative Gefühle anfühlen.

Nehmen wir an, deine Stresshormon-Ausschüttung befand sich in so seiner Situation vielleicht bei 90%. Wenn die Stresshormon-Ausschüttung jetzt „nur noch“ bei 60% liegt, fühlst du dich trotzdem „gut“, weil du weißt, wie sich eine 90%-Stresshormon-Ausschüttung anfühlt. Ich hoffe du verstehst was ich meine, wenn ich sage, dass es den meisten Menschen eigentlich immer nur weniger schlecht geht.

Hinzu kommt die Macht der Gewohnheit. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir können uns an so gut wie alles gewöhnen. Das gilt auch für unsere Emotionen. Wir gewöhnen uns mit der Zeit daran, uns einfach nur noch weniger schlecht zu fühlen und nehmen diesen Zustand als unseren „emotionalen Normalzustand“ an. Wir gewöhnen uns so stark an diesen Zustand in unserem Körper, dass wir ihn nicht mehr hinterfragen. Wir fangen an, uns sogar wohl in diesem Zustand zu fühlen, weil wir diesen Zustand kennen. Tiefe Freude und Lebendigkeit zu spüren, kann einem sogar merkwürdig vorkommen, weil man jahrelang (unbewusst) im Alarmzustand gefangen war.

Ich habe zuvor erwähnt, dass ich mein Vegetatives Nervensystem messen lassen habe, nachdem mir der Zusammenhang zwischen Tinnitus und Stress immer bewusster wurde. Die Messergebnisse zeigen sehr deutlich, dass mein Körper zur damaligen Zeit unter enormen Stress stand – obwohl ich mich in meinem Körper nich wirklich gestresst gefühlt habe. Ich war schockiert, als mir mein Arzt die Ergebnisse zeigte.

Einer meiner Mentoren sagte mir einmal: „Die schlimmste Form des Leidens ist die unbewusste Form des Leidens.“ Viele Menschen leiden und wissen nicht einmal, dass sie leiden. Vielen Menschen geht es schlecht und ihnen ist nicht einmal bewusst, dass es ihnen wirklich schlecht geht – weil sie sich im Laufe der Zeit an diese Zustände gewöhnt haben.

Wie fühlst du dich wirklich in deinem Körper? Fühlst du überwiegend Freude und Leichtigkeit in dir? Fühlst du dich wirklich lebendig? Oder fühlst du dich überwiegend nervös, leer und schwach?

Tinnitus heilen ist möglich, wenn du deinen Körper dabei unterstützt, den Alarmzustand zu verlassen. Dein Körper wird sich dadurch „öffnen.“ Deine Blutgefäße weiten sich, deine Muskeln entspannen sich und die hohe Sensibilität deiner Hörverarbeitung geht zurück. Und diese Umstände sorgen dafür, dass du du deinen Tinnitus mehr und mehr loslassen kannst.

Wie du deinen Körper aus dem Alarmzustand befreien kannst, erfährst du in diesem Artikel

Zum Artikel -> Tinnitus heilen – Das hilft bei Tinnitus wirklich

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Wer schreibt hier?

Hallo, ich heiße Andreas und habe diese Website ins Leben gerufen. Nachdem ich 2016 an Morbus Meniere erkrankte, litt ich an plötzlich anfallenden Drehschwindelattacken und starken Ohrgeräuschen.

Nach unzähligen gescheiterten Therapien machte ich mich selbst auf die Suche nach Lösungen und habe Wege gefunden, die mir halfen, meinen Tinnitus zu heilen.

Heute begleite ich Menschen 1:1 auf ihrem Weg zu mehr Ruhe im Ohr. Meine Erfahrungen teile ich auf diesem Blog. Ich freue mich, dich auf deinem Weg zur Stille begleiten zu dürfen.

Mehr über mich findest du hier

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